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Stadtarchivar präsentierte das Leben und Wirken des ehemaligen Schnaiter Bürgermeisters Georg Amann – mit einem eindeutigen Fazit


Wer war eigentlich Georg Amann?
Was war seine Gesinnung? Und wie ist seine Arbeit als Bürgermeister von Schnait in der Zeit des Nationalsozialismus zu bewerten? Mit diesen und weiteren Fragen hat sich der Weinstädter Stadtarchivar Bernd Breyvogel im Auftrag der Verwaltung ausführlich beschäftigt, hat in Archiven der Kommune sowie im Staatsarchiv Ludwigsburg intensiv recherchiert. Seine Erkenntnisse hat er nun am Dienstag, 3. März, im Stiftskeller in Beutelsbach der Öffentlichkeit präsentiert.
 Gekommen sind zahlreiche interessierte Bürger und Bürgerinnen, aber auch Gemeinderäte Weinstadts sowie Verwandte des ehemaligen Gemeindeoberhaupts, um sich ein eigenes Bild von Georg Amann und seinem Wirken als Bürgermeister zu machen.
 Amann, geb. 1893 in Langenau bei Ulm, wurde 1922 zum Schultheißen von Schnait gewählt und 1932 (als Bürgermeister) wiedergewählt. Er blieb auch während der NS-Zeit im Amt und starb am 3. November 1944. Bernd Breyvogel beleuchtete in seinem Vortrag die Rolle Amans als Antisemit, sein Engagement in der NSDAP, sein Verhältnis zum Führerkult, zu Andersdenkenden und der Kirche.
 Das Fazit des Stadtarchivars ist klar: „Amann war eindeutig bekennender Antisemit, und zwar schon lange vor 1933.“ Seine Mitgliedschaft im Bauern- und Weingärtnerbund bis 1933 passe da durchaus ins Bild, war die Partei doch bekanntermaßen ein Sammelbecken für Antisemiten, führt Breyvogel aus.
 Weiter stellt er fest: Amann vertrat ab 1933 in seinen Taten und seinen Äußerungen als Bürgermeister unzweifelhaft den Nationalsozialismus. Dass bei seinem Eintritt in die NSDAP 1933 auch taktische Überlegungen zu seiner weiteren Karriere eine Rolle gespielt haben, sei schon möglich, er hatte aber ganz offensichtlich keinerlei Probleme, die NS-Ideologie inklusive Führerkult zu übernehmen und nach außen zu vertreten. Sein Brief, den er 1936 an den Auslandsdeutschen Robert Deiss nach Bessarabien schrieb, lässt diesbezüglich an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: „Wir haben einen herrlichen Führer, der unser Vaterland von den Fesseln des Versailler Diktats befreit und uns wieder Geltung verschafft hat“, hält Amann in seinem Schreiben fest.. Er betont an anderer Stelle: „Unser Führer weiß alles und denkt alles.“ 
 „Gegen die verschiedentlich geäußerte Einschätzung, er habe dem Nationalsozialismus insgeheim distanziert gegenübergestanden, spricht die Vielzahl anderslautender Hinweise aus den Akten“, betont Breyvogel. Auch das Spruchkammerverfahren, das im Zuge der Entnazifizierung nach Amanns Tod und dem Ende des Zweiten Weltkriegs gegen ihn angestrengt und schlussendlich eingestellt wurde, steht dem – wie Breyvogel weiter berichtet – nicht entgegen, ging es dabei doch einzig darum, ob Amann zu den beiden schweren Belastungsstufen zählt. Auch dass er gegen Ende des Krieges, als kein klar denkender Mensch mehr an den „Endsieg“ glaubte, Zweifel am NS-Staat bekommen haben dürfte und diese unter vorgehaltener Hand vielleicht sogar dem einen oder anderen mitteilte, ändert am Gesamtbefund nach Erachten von Bernd Breyvogel nichts.
 Unstrittig ist nach den Erkenntnissen Breyvogels, dass Georg Amann als Schultheiß die sogenannte Fallenhauquelle bei Baach als wichtigste Trinkwasserquelle für die Gemeinde Schnait erworben und damit vorausschauend im Sinne der nachhaltigen Wasserversorgung Schnaits gehandelt hat. Die Gemeinde hatte  die Quelle 1925 von Gottlob Ellwanger gekauft. 1964 stimmte der Gemeinderat von Schnait zu, die Fallenhauquelle in Georg-Amann-Quelle umzubenennen. 2013 wurde schließlich ein Gedenkstein für Georg Amann an der Quelle aufgestellt.
 Grund der ausführlichen Recherchen der Stadt Weinstadt  ist die neu entfachte Diskussion um die Namensgebung der nach dem ehemaligen Bürgermeister benannten Quelle bei Baach. Volks- und Heimatkundler Wolf Dieter Forster war bereits 1987 bei Recherchen auf die NS-Vergangenheit Georg Amanns gestoßen und hat dies öffentlich gemacht. In jüngerer Zeit wies er die Stadtverwaltung Weinstadt erneut auf die Faktenlage hin, sodass Oberbürgermeister Michael Scharmann den Stadtarchivar mit den Recherchen beauftragte.

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