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Stadtnachricht

Sommerinterview mit OB Scharmann


So hatte sich wohl niemand das Jahr 2020 vorgestellt: Ein kleines Virus hat unseren Alltag völlig auf den Kopf gestellt und eine weltweite Krise ausgelöst, die ihresgleichen sucht. Doch was macht das mit einer Stadt wie Weinstadt? Was sind die Themen, die in der kommenden Zeit angepackt werden müssen? Oberbürgermeister Michael Scharmann gibt dazu Antworten.

Bild Oberbürgermeister Scharmann

Herr Scharmann, hinter uns allen liegt eine unglaublich harte Zeit. Wie haben Sie persönlich die Coronakrise erlebt?
Alles, was wir bisher gekannt haben, wurde quasi über Nacht über den Haufen geworfen. Als Oberbürgermeister hatte ich plötzlich viel weniger repräsentative Termine, dafür lief die Stadtverwaltung im Krisenmodus. Rund um die Uhr hatten wir Alarmbereitschaft. Es gab ständig neue Situationen, die schnelle Entscheidungen erforderten. Aber wir haben von Tag zu Tag dazugelernt. Auch im Privaten war alles plötzlich ganz anders. Die sozialen Kontakte waren auf ein Minimum reduziert. Und die Kinder waren daheim, weil Schule und Kita geschlossen waren. Meine Frau und ich standen vor denselben Herausforderungen wie andere Familien auch.

Wie hat Corona unsere Stadt aus Ihrer Sicht verändert?
Das typische Zusammentreffen der Weinstädter, das Gesellige in unserer Stadt, ist auf einmal weggefallen. Das war und ist nach wie vor völlig ungewohnt. Aber es ist ein anderes Miteinander entstanden – eben auf Abstand. Die Menschen sind mental enger zusammengerückt. Ich habe sowohl bei den Mitarbeitern der Stadt als auch bei unseren Bürgern eine extrem hohe Bereitschaft erlebt, füreinander da zu sein und sich gegenseitig zu helfen. Das war eine schöne Erfahrung. So haben wir - denke ich - die Situation ganz gut gemeistert.

Welchen langfristigen Effekt hat die Krise auf Weinstadt?
Bei den Finanzen werden wir Corona definitiv noch länger spüren. Denn durch die wegbrechenden Steuereinnahmen hat die Stadt viel weniger Geld zur Verfügung, das sie für bereits geplante Projekte ausgeben kann. Wir mussten einige Vorhaben auf das kommende Jahr verschieben. In Zukunft werden wir vermutlich kürzer treten und so manchen Wunsch auf Eis legen müssen. Ich baue hier auf die Vernunft und das Verständnis der Bürgerinnen und Bürger.

Immerhin haben inzwischen unter anderem die Freibäder wieder geöffnet. Wie läuft denn dort der Betrieb unter Corona-Auflagen?
Es ist natürlich ein anderes Gefühl als noch im vergangenen Jahr. Schließlich mussten wir die Personenanzahl sowohl insgesamt als auch im Wasser beschränken. Die Besucher haben Verständnis dafür und genießen trotz allem ihre Freizeit im Bad. Mein Sohn geht übrigens fast jeden Tag ins Freibad – ihm gefällt es sehr.

Was passiert mit den großen Veranstaltungen, die wir aus den vergangenen Jahren kennen und auch lieben gelernt haben?
Leider muss in diesem Jahr nahezu alles ausfallen, was uns ans Herz gewachsen ist. Dafür ist unser Kulturamt sehr kreativ und hat neue Formate an den Start gebracht. Der Kultur-Drive-in  hat den Anfang gemacht. Nun kommt „Ab auf die Insel“ auf den Mühlwiesen als neues Konzept. Und den Ratstrunk haben wir einfach online angeboten.

Welche Themen werden Sie und die Stadtverwaltung im Herbst beschäftigen?
Da gibt es vieles, was wir in Weinstadt anpacken wollen: Wir werden zum Beispiel den Breitbandausbau vorantreiben, ebenso die Nahwärmeversorgung. Im Oktober steht die Eröffnung der neuen Kita am Irisweg auf dem Plan. Auch die Erweiterung der Silcherschule sowie die Umgestaltung der Strümpfelbacher Straße werden Thema sein. Und nicht zuletzt arbeiten wir gerade an einem Mobilitätskonzept für die ganze Stadt.

Oft wird die Krise ja als Chance dargestellt. Wo sehen Sie die Chance für Weinstadt?
In einer Krise sieht man, ob ein System funktioniert – und vieles ist tatsächlich gut gelaufen. Aber wir haben auch erkannt, wo es hakt in der Stadt. Das sehe ich als Chance, weil wir nun benennen können, wo wir besser werden können und sollen. Nur um ein Beispiel zu nennen: Wir sind glücklicherweise bei der EDV in der Verwaltung gut aufgestellt. Wir sollten jedoch dem Ausbau der digitalen Dienste für die Bürgerinnen und Bürger einen höheren Stellenwert einräumen. Das haben wir uns vorgenommen.
Bereits unsere Chance ergriffen haben wir beim Digitalpakt für Schulen und mit Bundes- und Landesmitteln 400 iPads samt Zubehör bestellt. Diese sollen dann Schülern zum neuen Schuljahr zur Verfügung gestellt werden, die daheim nicht auf solche Geräte zugreifen können. So sichern wir ein Stück Bildungsgerechtigkeit in Weinstadt.

Wie und wo erholen Sie sich nun im Sommer, bevor es wieder losgeht?
Wir haben bereits vor der Krise einen Sommerurlaub an der deutschen Nordsee gebucht. Dort werde ich mit meiner Familie erst einmal durchschnaufen und wieder Kraft schöpfen für den Herbst. 

Was raten Sie den Weinstädtern, die diesen Sommer daheim bleiben wollen oder müssen?
Auch wenn mancher Urlaub wegen Corona abgesagt werden musste, gibt es doch viele schöne Möglichkeiten, in Weinstadt, im gesamten Remstal und der Region Stuttgart seine Freizeit zu verbringen. Man kann etwa auf der Rems Kanu fahren oder die vielen schönen Wanderwege entlang der Hänge, durch die Weinberge und den Wald erkunden. Es ist gut, dass wir zur Remstal Gartenschau im vergangenen Jahr eine schöne Infrastruktur realisiert haben. Orte wie zum Beispiel die Mühlwiesen in Großheppach oder die Birkelspitze sind ein großer Gewinn für die Stadt.
Allen Bürgerinnen und Bürgern wünsche ich – ob sie nun hier bleiben oder in die Ferne  schweifen – eine gute Zeit im wohlverdienten Urlaub. Hoffentlich erholen sich alle gut. Ich möchte noch die Gelegenheit ergreifen und noch einmal Danke sagen, für das Miteinander, das in unserer Stadt entstanden ist, für das Verständnis für die manchmal recht harten Maßnahmen, die wir zum Schutz vor dem Coronavirus ergreifen mussten. Bleiben Sie gesund – und werden Sie nicht nachlässig bei den Hygiene- und Abstandregeln. Denn nur so können wir eine zweite Welle verhindern.

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