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Stadtnachricht

Ein neues Hallenbad für Weinstadt


Das Thema „Bäder in Weinstadt“ beschäftigt Stadtverwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft seit vielen Jahren. Auf der Grundlage einer aktuellen Machbarkeitsstudie sowie neu geschaffenen Förderprogrammen von Bund und Land ergibt sich in den nächsten Jahren die realistische Möglichkeit, ein Funktionshallenbad am Bildungszentrum zu realisieren.
 
Die Zukunft der städtischen Bäder ist für viele Kommunen ein zentrales Thema. In Weinstadt beschäftigt die Situation der Bäder Gemeinderat, Verwaltung und Bürgerschaft immer wieder mit unterschiedlicher Intensität. Da die Weinstädter Bäder insgesamt jährlich steigende Unterhaltungs- und Sanierungskosten aufweisen, nimmt der Handlungsdruck, für das Stiftsbad eine umsetzbare Lösung zu finden, kontinuierlich zu.
 
„Sollte das Stiftsbad als derzeit einziges städtisch betriebenes Hallenbad kurzfristig schließen müssen, würde dies bedeuten, dass von heute auf morgen in Weinstadt kein öffentliches Baden, keine Schulschwimmen, kein Vereinsschwimmen, keine Schwimmkurse und keine Wassergymnastik mehr stattfinden könnten“, stellt Oberbürgermeister Michael Scharmann klar. All diese Bereiche könnten – mit Ausnahme des Angebots im Strümpfelbacher Bädle – dann nicht mehr angeboten werden. Bislang war eine tragfähige Lösung für diese Bäderfrage in Weinstadt nicht in Sicht. Die große Anzahl an notwendigen Investitionen, die Konkurrenz zwischen vielen notwendigen Bau- und Sanierungsprojekten, aber auch die Frage des jährlichen Unterhalts bremsten  entsprechende Planungen in der Vergangenheit aus.
 
„Ich glaube, wenn Mitte August vom Bund und Land nicht zwei Förderprogramme aufgelegt worden wären, hätten wir das Thema noch weiter geschoben“, stellt Oberbürgermeister Michael Scharmann fest. „Aber durch diese Förderprogramme ergeben sich plötzlich komplett neue Chancen für ein neues Hallenbad in Weinstadt.“
 
Nachdem im Herbst 2018 bei einer Bauwerksprüfung des Stiftsbades weitere Schäden an der abgehängten Decke erkennbar wurden und der Weiterbetrieb des Bades für einige Wochen unklar war, wurden die Stadtwerke von Oberbürgermeister Scharmann beauftragt, zunächst verwaltungsintern das Thema Bäder aufzugreifen und den Neubau eines Hallenbades als Ersatz für das Stiftsbad am Bildungszentrum mit der späteren Option, dies auch um ein Freibad erweitern zu können, mit einer Machbarkeitsuntersuchung zu beleuchten. Da die bestehenden Freibäder aktuell – wenn auch auf Verschleiß – weiterbetrieben werden können, stellt sich diese Frage erst dann, wenn größere Investitionen bei den Freibädern unausweichlich sind.
 
Den Auftrag einer Machbarkeitsstudie setzten die Stadtwerke gemeinsam mit einem erfahrenen Bäderplaner (Geising und Böker Architekten, Hamburg und Profund Consult, Hamburg) 2019 um. Der Gemeinderat wurde in einer Klausurtagung am 12. Oktober 2020 über Details und mögliche Umsetzungsvarianten informiert und steht dem Projekt mehrheitlich grundsätzlich positiv gegenüber.
 
In der öffentlichen Gemeinderatssitzung am Donnerstag, 22. Oktober, wurden sowohl die Machbarkeitsstudie, als auch mögliche Szenarien zu Bau und Betrieb eines Hallenbads in Weinstadt vorgestellt. Dabei wurden die Eckdaten der Projektskizze beschlossen und die Verwaltung mit der Einreichung dieser beauftragt. Dabei ist hervorzuheben, dass die Einreichung einer Projektskizze noch keinen Baubeschluss zur Folge hat. Die Frist zur Einreichung der entsprechenden Projektanträge läuft noch bis 30 Oktober 2020.
 
In der Gemeinderatssitzung herrschte große Einigkeit unter den Räten. So äußerten sich alle Fraktionsvorsitzenden positiv zu den ausführlich vorgestellten und auch vorbesprochenen Plänen zum Neubau eines Funktionshallenbads. Der Beschlussvorschlag wurde bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung mit großer Mehrheit angenommen.
 
Oberbürgermeister Michael Scharmann lobte das bisherige Engagement aller Beteiligten und bedankte sich für das Herzblut, welches bislang in die Planungen und Ausarbeitungen investiert wurden. „Dies ist die einmalige Chance, nun die Weichen für die Zukunft zu stellen und damit ein lange vorherrschendes Problem endlich sinnvoll zu lösen“, erklärte der Oberbürgermeister.
  • Die Details

Eine Bestandsaufnahme

 
Das Stiftsbad sollte sowohl vom Gebäudezustand als auch der gesamten technischen Ausstattung her dringend einer Generalsanierung unterzogen werden, um einen planbaren Weiterbetrieb gewährleisten zu können. Bei einer wirtschaftlichen Betrachtung der Situation sowie den heutigen Anforderungen an ein Hallenbad wäre ein Badneubau einer Generalsanierung nach Expertenmeinung vorzuziehen. Selbst nach einer Sanierung würde ein für den Sportbetrieb ungenügendes 20m Becken, ein ungenügendes Raumprogramm im Bereich Umkleide/Sanitär, die nicht vorhandene Barrierefreiheit und nicht ausreichende Beckenumgangsbreiten verbleiben. Darüber hinaus müssten für die neue Gebäudetechnik zusätzliche Technikräume angebaut werden. Klarheit über das weitere Vorgehen mit dem Stiftsbad würde auch die Entwicklung des Neubaus der Grundschule Beutelsbach mit Kinderhaus auf diesem Grundstück vereinfachen.

Die Stadtwerke Weinstadt als Badbetreiber

 
In vielen Städten und Gemeinden werden oder wurden Bäderbetriebe in die Stadtwerke integriert. Es liegt daher nahe, bei der Planung eines neuen Bades die etwaige Integration in den Eigenbetrieb Stadtwerke näher zu beleuchten. Der Hauptvorteil der Integration des Bads in die Stadtwerke stellt die Möglichkeit dar, Gewinne aus den Versorgungsbetrieben (Strom/Gas/Wärme/Wasser) mit den Verlusten des Bäderbetriebs zu verrechnen. Der Versorgungsbetrieb sowie der Bäderbetrieb stellen steuerrechtlich einen sogenannten „Betrieb gewerblicher Art“ (BgA) dar. Unter bestimmten Voraussetzungen ist es möglich, diese BgA zusammenzufassen. Mit diesem „steuerlichen Querverbund“ (QV) können die Ertragsteuern auf den Jahresgewinn deutlich reduziert werden. Die steuerlichen Voraussetzungen für einen Verlustausgleich würden im Rahmen einer verbindlichen Auskunft mit dem Finanzamt Waiblingen geprüft.

Mögliche Varianten eines neuen Funktionshallenbads


Grundsätzlich werden zwei Varianten eines möglichen Funktionshallenbades konkreter beleuchtet:
 
Die Variante 1 besteht aus einem 25-Meter Becken mit vier Bahnen, einem Lehrschwimmbecken sowie einem Kleinkindbereich. Diese Variante hat eine gesamte Wasserfläche von rund 395 m², wobei das Sportbecken einen Anteil von rund 255 m² hat.
 
Die Variante 2 dagegen besteht aus einem 25-Meter Becken mit sechs Bahnen, zwei Sprungtürmen (1m und 3m), einem Lehrschwimmbecken sowie einem Kleinkindbereich. Diese Variante 2 hat eine gesamte Wasserfläche von rund 520 m². Davon entfallen auf das Sportbecken rund 380 m². Der Umkleidebereich wurde gegenüber Variante 1 um eine Gruppenumkleide erweitert.
 
Im Raumprogramm beider Badvarianten ist ein Lehrschwimmbecken mit 8,00m x 12,50m enthalten. In der Kostenschätzung ist in diesem Becken ein Hubboden, der auf eine Wassertiefe von 0,00m bis 1,80m einstellbar ist, enthalten. Dadurch gibt es viele Nutzungsmöglichkeiten auch für ein erweitertes Kursangebot.
Ebenso ist bei beiden Badvarianten vorgesehen, die Südfassade in den Sommermonaten durch Schiebefenster weitgehend öffnen zu können. Somit kann auch ein kleiner Außenbereich zum Aufenthalt im Sommer von Anfang an mit angeboten werden. Durch diese Bauweise wäre auch eine Ganzjahresnutzung des Bades möglich.
 
Vor dem Hintergrund des Bedarfs an Schulschwimmen, den Anforderungen der Vereine sowie eines parallel zu betreibenden öffentlichen Badebetriebs ist Variante 2  voraussichtlich zielführender. Ob eine Sprunganlage erforderlich ist, soll im weiteren Prozess auch in enger Abstimmung mit den zukünftigen Nutzern besprochen  werden.

Die verkehrliche Erschließung


Im Jahr 2016 wurde ein Rahmenplan für die künftige Entwicklung des Bildungszentrums und angrenzender Bereiche erarbeitet. Neben einem möglichen Standort für ein neues Feuerwehrgerätehaus war sowohl die Verortung des Sportvereinszentrums als auch ein möglicher Standort für ein Hallenbad im Bildungszentrum Gegenstand der damaligen Untersuchung. Im September 2020 wurde dieser Rahmenplan mit folgenden Zielen fortgeschrieben:
  • Alternativstandort für eine weitere Dreifeldsporthalle aufzeigen
  • Erweiterungsmöglichkeiten des Parkplatzangebotes aufzeigen
  • Verkehrliche Erschließung für Badbesucher erfolgt über die Beutelsbacher Straße und die dort angeordneten Parkplätze
  • Verkehrliche Erschließung des Bildungszentrums über die Pestalozzistraße neu regeln um zusätzlichen Verkehr zu vermeiden
  • Erweiterungsflächen für die Schulen des Bildungszentrums aufzeigen
  • Hallenbad soll städtebaulich so verortet werden, dass zu einem späteren Zeitpunkt auch die Erweiterung um ein Freibad möglich ist
Im nächsten Planungsschritt werden sowohl diese verkehrlichen Zielsetzungen der Rahmenplanung weiter vertieft und ausgearbeitet, als auch die Öffentlichkeit beteiligt.

Die neuen Förderprogramme


Die Bundes-/Landesregierungen haben Anfang und Mitte August 2020 im Rahmen des Konjunkturpakets zwei Förderprogramme veröffentlicht, die unter bestimmten Voraussetzungen auch einen Badneubau fördern könnten. Hier ist insbesondere das Programm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in dem Bereich Sport, Jugend und Kultur“ (SJK) zu nennen. Dabei werden 400 Mio. Euro für den Projektaufruf 2020 zur Verfügung gestellt. Fristende zur Einreichung der Projektanträge ist der 30. Oktober 2020.
 
Im Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ werden größere Projekte mit deutlichen stadtentwicklungspolitischen Impulsen für die Stadt sowie regionaler Wirkung gefördert. Auch die Wirkung der Projekte für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie die soziale Integration in der Kommune und die Stadt(teil)entwicklungspolitik spielen eine Rolle. Die Projekte sollen darüber hinaus einen Beitrag zum Klimaschutz aufweisen und über ein überdurchschnittliches Investitionsvolumen verfügen.
  • Zusammenfassung
Der Zustand des Stiftsbades erfordert zeitnah eine Entscheidung über Weiterbetrieb und Sanierung, Schließung oder einen Ersatzneubau am Bildungszentrum.
 
Für einen Ersatzneubau spricht zum einen die zentrale Lage am Bildungszentrum in unmittelbarer Nachbarschaft zum neuen Sportvereinszentrum, sowie innerhalb der Gesamtstadt. Zum anderen das deutlich erweiterte Badangebot für Schulen, Vereine und ebenso auch der breiten Öffentlichkeit. Darüber hinaus würde Klarheit und eine Entwicklungsperspektive auf dem jetzigen Grundstück des Stiftsbades in Beutelsbach für den geplanten Neubau der Grundschule und des am selben Standort geplanten neuen Kinderhauses entstehen.
 
Der jetzt vorgeschlagene Standort am Bildungszentrum ermöglicht der Stadt in den kommenden Jahren sowohl eine Entscheidung über die Sanierung der Freibäder in den Stadtteilen als auch eine Zentralisierung des Badangebots.
 
Durch die mögliche Übertragung der Aufgabe des Bäderbetriebs auf den Eigenbetrieb Stadtwerke sowie der erfolgreichen Einwerbung von Fördermitteln zur Abdeckung des Eigenkapitalbedarfs der Stadtwerke würde dieses Projekt in der Vermögensplanung der Stadt nicht in Konkurrenz zu anderen wesentlichen Vorhaben stehen. Durch die nur unwesentlich höhere Abmangelübernahme aus dem städtischen Haushalt gegenüber den Stadtwerken würde die Stadtverwaltung ihren Bürgern ein aktuelles zukunftsfähiges Badangebot vorhalten können.
 
Der Verwaltung ist bewusst, dass in diesen Zeiten die Entscheidung über ein solches Vorhaben nicht einfacher geworden ist. Ebenso vor dem Hintergrund der Projektfülle insgesamt in unserer Stadt. Allerdings ist es auch nur bei wenigen Themen - insbesondere Bäder und Breitband - noch möglich, dass hier durch eine zukünftige Übertragung der Aufgabe auf die Stadtwerke für den Gesamtkonzern Stadt insgesamt eine nennenswerte Entlastung geschaffen werden kann. Gleichzeitig könnte diese Aufgabe der „Daseinsvorsorge“ mit der Bereitstellung eines öffentlichen Hallenbades für Schulen, Vereine und die Öffentlichkeit, zukunftsfähig verortet im Bildungszentrum in unmittelbarer Nachbarschaft zum künftigen Herzstück der Weinstädter Sportvereine, geleistet werden.

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