Zeitungsstapel

Stadtnachricht

Sommerinterview mit OB Michael Scharmann


Endlich Ferien. Endlich Durchschnaufen – und endlich Zeit zum Innehalten. Wieder ist ein Jahr vorbeigegangen, das sich viele von uns anders vorgestellt – oder zumindest anders gewünscht hätten. Mit Oberbürgermeister Michael Scharmann blicken wir auf die vergangenen zwölf Monate zurück: Was ist in Weinstadt passiert? Welche Themen haben unsere Stadtgesellschaft bewegt und betroffen? Und welche Projekte beschäftigen uns im Herbst und Winter?

Herr Scharmann, es ist wieder viel passiert in der Welt und auch in unserem Weinstadt. Was hat Sie am meisten beschäftigt in den vergangenen zwölf Monaten? 

Selbstverständlich stand die Coronapandemie sowohl im Privaten als auch als Oberbürgermeister von Weinstadt im Vordergrund und hat vieles überlagert. Unser Krisenstab ist inzwischen eine Dauereinrichtung, in der wir die jüngsten Entwicklungen zu und deren Auswirkungen auf die Stadt besprechen und danach handeln. Unser Ordnungsamt haben wir etwa mit Mitarbeitern aus anderen Bereichen verstärkt, damit die Flut der Quarantäneanordnungen bewältigt werden konnte. Homeoffice war für viele in der Verwaltung an der Tagesordnung. Aber trotz Corona ist auch viel Positives in der Stadt passiert und wir konnten so manch ein Projekt auf die Schiene setzen.

Können Sie da ein Beispiel nennen? 

Das Thema Hallenbad etwa. Lange haben wir an dem Gordischen Knoten getüftelt, wie wir ein Funktionshallenbad bauen und dauerhaft betreiben können – und das nicht in Konkurrenz zu anderen Projekten in der Stadt. Unser Stiftsbad ist leider in die Jahre gekommen – doch eine Sanierung ist nicht wirtschaftlich. Inzwischen haben wir glücklicherweise eine Förderzusage von 3 Millionen Euro vom Bund für unser Projekt erhalten. Die erste Infoveranstaltung zum Thema Hallenbad, das wir beim Bildungszentrum neu bauen wollen und das schließlich von den Stadtwerken Weinstadt betrieben werden soll, hat neulich stattgefunden – mit gutem Zuspruch. Wenn alles nach Plan läuft, können die ersten Schwimmer im Jahr 2025 ihre Bahnen im neuen Bad ziehen.

Apropos Plan: Wie geht es denn auf dem Bleistiftareal weiter? 

Dieses Gebiet in Beutelsbach hat uns auch längere Zeit beschäftigt. Aufgehalten haben unser Projekt zum einen archäologische Grabungen und zum anderen die Pleite des ersten Investors. Inzwischen haben wir mit Phoenix Living aus Stuttgart einen neuen Investor gefunden, der mit leicht geänderten Bauplänen ein Wohn- und Geschäftshaus samt neuen Räumen für die Stadtbücherei erstellen wird. Baubeginn ist im Herbst. Und fertig soll der Bau im Oktober 2023 sein. So bekommen Bücherfreunde bald einen schönen, neuen Ort für Bildung, Unterhaltung und Begegnungen.

Welche Projekte hat die Stadt noch in den vergangenen zwölf Monaten anpacken können? 

Städtebaulich ist viel passiert: Wir haben erst vor Kurzem das Neubaugebiet Furchgasse in Schnait an den Start gebracht. Wir sanieren sukzessive unsere Schulen und arbeiten an der Erweiterung der Silcherschule. Wir setzen Schritt für Schritt unser Friedhofskonzept um. Die Ortsdurchfahrt Baach wird derzeit grundlegend erneuert und wir haben neue Grillstellen.

Aber es gab auch ganz andere Themen: Wir haben zum Beispiel einen neuen Mietspiegel, der Jugendgemeinderat ist neu gewählt worden – und nach den Lockdowns erwacht auch unsere Kultur langsam wieder. Das ist sehr erfreulich.

Welche Angebote gibt es denn wieder in Weinstadt? 

Es beginnt ganz einfach bei der Stadtbücherei und bei den Museen, die alle wieder zu den regulären Öffnungszeiten besucht werden können. Und dann haben wir endlich wieder Veranstaltungen wie das Stiftshof Open Air mit Konzerten, Kabarett und Kino. Auch die Sunset Lounge lädt wochenends auf die Luitenbächer Höhe. Das Streuobstwiesenpicknick, das es nun schon öfters gab, kommt gut an. Ebenso die Fête de la Musique, dem weltweiten Straßenmusikfest, bei der wir als Stadt zum fünften Mal dabei waren. Das Wetter war zwar unbeständig, aber der Zuspruch war gut.

Wie sieht der Herbst in Weinstadt aus? 

Unser Kulturamt plant, die Kunstausstellungen in der Galerie im Rathaus Beutelsbach wieder aufzunehmen. Auch Theater, Kabarett oder Konzerte sind in Vorbereitung. Ebenso die Schnaiter und Beutelsbacher Kirbe. Bei alldem fahren wir weiter auf Sicht. Denn wir wissen nicht, wie sich die Inzidenzen oder auch die Impfquoten entwickeln. Ich hoffe sehr, dass unser kulturelles Leben wieder an Fahrt aufnimmt.

Womit wird sich die Stadtverwaltung in den kommenden Monaten beschäftigen? 

Wir starten einige Bürgerbeteiligungsprozesse: Sei es beim Thema Hallenbad oder auch bei der Ortsmitte Großheppach, wo Ideen gesammelt werden für eine bessere Gestaltung des öffentlichen Raums. Auch die Planungen für die Endersbacher Einkaufsstraße kommen gut voran. Das Ziel der Stadtverwaltung ist ein Baubeginn im Sommer 2022.  Unsere Stadtwerke möchten die Ladeinfrastruktur weiter ausbauen. Dazu läuft derzeit ein Förderantrag. Wir unterstützen den Einzelhandel mit einer Aktion zur Digitalisierung. Und auch das Thema Luftfilteranlagen wird uns weiter beschäftigen.

Was geben Sie den Weinstädter Bürgerinnen und Bürgern mit auf den Weg in die Sommerferien bzw. Sommerpause? 

Wir haben harte Zeiten hinter uns. Jetzt sollte für jeden und jede Erholung und Durchschnaufen anstehen. Ich wünsche allen, die in den Urlaub fahren, dass sie erfrischt und gestärkt und vor allem gesund wiederkommen. Für diejenigen, die daheim bleiben,  wünsche ich ebenfalls ruhige Sommerwochen. Genießen Sie unsere schöne Natur, die Weinstadt umgibt und besuchen Sie unsere kulturellen Angebote. Ich wünsche mir, dass wir alle, auch und insbesondere als Stadtgesellschaft gestärkt aus den Sommerwochen kommen, damit wir wieder mit Kraft und Schwung die für den Herbst anstehenden Aufgaben gerüstet sind. Corona ist leider noch nicht vorbei. Wir werden uns an das Virus gewöhnen müssen und lernen müssen, damit zu leben. Aber das werden wir auch können. Da bin ich voller Zuversicht.

OB Scharmann am Remstalkino