Zeitungsstapel

Stadtnachricht

Sommerinterview mit OB Michael Scharmann


Sommerfest, Remsufer Open Air, Leuchtender Weinberg: Es tut sich wieder etwas in Weinstadt. Das gesellschaftliche Leben hat in diesem Sommer wieder Fahrt aufgenommen. Und auch einige städtebauliche Projekte sind ein paar Schritte weiter. Mit Oberbürgermeister Michael Scharmann blicken wir auf die vergangenen zwölf Monate zurück: Was ist in Weinstadt passiert? Welche Themen haben unsere Stadtgesellschaft bewegt und betroffen? Und welche Projekte werden uns im Herbst und Winter beschäftigen?

Herr Scharmann, wie erleben Sie unser Weinstadt derzeit?

Die Stadt ist wieder lebendig geworden. Es ist so schön zu sehen, wie sich die Menschen wieder treffen, gemeinsam ausgehen oder feiern. Das Leben ist aktuell wieder zurückgekehrt – und das genießen wir alle.

Was genießen Sie denn besonders?

Den persönlichen Kontakt und natürlich unsere tollen Veranstaltungen. Ich war mit meiner Familie beim Remsufer Open Air – und das an allen drei Tagen. Mitte Juli bin ich mit einer Delegation nach Frankreich in unsere Partnerstadt Parthenay im Westen gefahren und habe das 40-Jahr-Jubiläum unserer Verbindung nachgefeiert. Und kommendes Wochenende sind wir sicher beim Leuchtenden Weinberg dabei.

Persönlichen Kontakt hatten Sie ja auch bei den Bürgerrundgängen. Wie liefen diese denn?

Das Format ist gut bei unseren Bürgerinnen und Bürgern angekommen. Wir waren von Mai bis Juli in jedem unserer Stadtteile mit einem Rundgang unterwegs. Dabei haben wir den Teilnehmern nicht nur von den jüngsten Projekten der Stadt berichtet, sondern sind auch unterwegs und am Ende beim Ständerling ins Gespräch gekommen.

Was haben Sie dabei erfahren?

Wir wissen jetzt mehr, was den Weinstädtern auf den Nägeln brennt. Viele Fragen, Wünsche, Ideen und Anregungen sind uns als Verwaltung auf den Weg gegeben worden. Vieles konnten wir inzwischen beantworten. Große Themen werden wir in der Bürgerversammlung am 30. September in der Jahnhalle nochmal aufnehmen. Ich freue mich schon jetzt auf einen weiteren regen und interessanten Austausch.

Wird es im nächsten Jahr wieder Rundgänge geben?

Auf alle Fälle. Wir arbeiten derzeit an einer Fortentwicklung des Konzepts. Vielleicht könnte es gemeinsame Aktionen geben, bei denen man einfach ins Gespräch kommen kann. Details werden wir dann rechtzeitig bekannt geben.

Lassen Sie uns einen Blick in die Vergangenheit werfen: Was hat Weinstadt in den letzten zwölf Monaten beschäftigt?

Natürlich haben uns die beiden großen Krisen – Corona und der Ukrainekrieg – in Atem gehalten. Und tun dies auch weiterhin. Corona hat Risse durch unsere Gesellschaft hinterlassen, die es nun gilt zu kitten. Zum Glück ist wieder eine Art Normalität in unserem Alltag angekommen. Jedoch zwingen uns die erneut stark steigenden Infektionszahlen und der Krieg in der Ukraine, uns mit neuen Herausforderungen auseinanderzusetzen.

Welche sind das denn?

Inzwischen leben mehr als 200 Flüchtlinge aus der Ukraine in Weinstadt. Einige sind privat untergekommen, viele andere haben wir dezentral in Wohnungen und Häuser im Stadtgebiet untergebracht. Ich bin dankbar für die große Hilfsbereitschaft unserer Bürger, die spontan und kurzfristig Wohnraum zur Verfügung gestellt haben, die ehrenamtlich die Ankömmlinge unterstützen und helfen, wo Hilfe gebraucht wird.

Was ist städtebaulich in Weinstadt passiert?

Wir haben viele unserer Projekte vorangebracht. Die Planungen für das Funktionshallenbad am Bildungszentrum in Endersbach nehmen weiter Form an. Nicht mehr lange und die ersten Bagger können anrollen. Im Jahr 2025 sollen dann die ersten Schwimmer im neuen Bad ihre Bahnen ziehen können.

Wie sieht es denn am Bleistiftareal aus?

Das heißt jetzt K:libri – und dort in Beutelsbach haben wir vor wenigen Wochen die Grundsteinlegung gefeiert. Ende 2023, also in rund eineinhalb Jahren, können dann nicht nur die ersten Bewohner ihre Wohnungen beziehen, sondern die Stadtbücherei kann als wertvolles Puzzlestück den Ortskern vervollständigen.

Und die anderen Stadtteile?

Die Ortskerne unserer aller fünf Stadtteile haben wir besonders im Blick. In Endersbach soll die Strümpfelbacher Straße umgebaut werden, samt Mini-Kreisel beim Viadukt. Ein Projekt, dass sehr anspruchsvoll ist, denn nicht nur oberirdisch gibt es viel zu tun. Der große Kreisel auf der anderen Seite erhält noch in diesem Jahr ein tolles neues Kunstwerk unseres berühmten Bildhauers Karl Ulrich Nuss.

In Großheppach sind wir an dem Modellprojekt „Ortsmitten – gemeinsam barrierefrei und lebenswert gestalten“ als eine von 20 Modellkommunen beteiligt – mit Bürgerbeteiligung, Workshops, bei denen viele Ideen gesammelt wurden, um gemäß dem Slogan die Ortsmitte lebenswerter zu gestalten.

Was beschäftigt denn die Menschen in Schnait?

Derzeit konkret die Nahversorgung. Erst kürzlich hatten wir einen Bürgerworkshop, bei dem Ideen und Lösungen gesucht wurden, wie Menschen in Schnait besser versorgt werden könnten. Wir als Stadtverwaltung haben die Ideen mitgenommen, es soll zum Beispiel einen Flyer mit Lieferangeboten geben. Und im Herbst wollen wir uns wieder mit den Bürgerinnen und Bürgern treffen und das Thema weiter besprechen.

In Strümpfelbach gibt es momentan ein ganz anderes Thema…

Genau. Dort gibt es aktuell viele kleinere und größere Baustellen – denn der Breitbandausbau ist hier im vollen Gange, unzählige Kilometer Leerrohre werden hierfür bei allen erdenklichen Sanierungsmaßnahmen verlegt. Aktuell sind wir in der Vorvermarktungsphase – bald hat ein Großteil der Strümpfelbacher Haushalte die Möglichkeit, auf einen Breitbandanschluss zuzugreifen. Alle anderen Stadtteile folgen.

Im Bürgerpark Grüne Mitte hat sich auch etwas Sichtbares getan. Was macht das Forum?

Das Parkforum ist im Entstehen. Ich freue mich schon darauf, dass es bald mit Leben gefüllt wird. Für das Parkforum stehen unsere Vereine und Institutionen schon in den Startlöchern. Wir haben viele Anfragen von Interessenten, die das Parkforum nutzen und mit Leben füllen wollen. Darüber freuen wir uns sehr – denn genau das ist schließlich auch der Sinn und Zweck des Parkforums: Leben in den Park bringen, Anlaufstelle sein für ein Miteinander bei uns in der Stadt.

Was wird uns in der nächsten Zeit in Weinstadt beschäftigen?

Mehrere wichtige Großinvestitionen stehen in den kommenden Jahren an: Derzeit laufen die Planungen für die Erweiterung und Sanierung der Grundschule in Endersbach auf Hochtouren. In Beutelsbach – hier gibt es einen sehr großen Sanierungsstau - werden wir die Grundschule ebenfalls in absehbarer Zeit ganz neu bauen. Und auch der Bau eines zentralen Feuerwehrgerätehauses in der Nähe des Bildungszentrums steht auf der Agenda.

Im vergangenen Oktober hat sich die Stadt Weinstadt auf die Fahnen geschrieben, bis 2035 klimaneutral zu werden. Wie sehen da die ersten Schritte aus?

Wir haben zum 1. April einen neuen Klimaschutzmanager, Friedrich Huster, eingestellt, der sich mit viel Engagement seiner neuen Aufgabe bei der Stadt Weinstadt widmet. Mit der Energieagentur Rems-Murr haben wir Solar-Checks für die Bürger angeboten. Wir starten jetzt auch eine Kampagne fürs Energiesparen und die Umstellung auf erneuerbare Energien. Als nächstes geben wir einen Klimaschutzaktionsplan in Auftrag, der uns den Weg zur Klimaneutralität bis 2035 aufzeigen wird. Wichtig dabei ist immer: Das Thema geht uns alle an – und nur, wenn alle mitmachen, kommen wir auch gemeinsam an dieses wichtige Ziel.

… da gibt es ja viel zu tun in Weinstadt. Wie bewältigt das die Stadtverwaltung?

Natürlich mit viel Elan und Engagement. Aber klar ist auch: Der Fachkräftemangel, der regelmäßig in den Nachrichten auftaucht, hat nicht nur viele Branchen, sondern auch die Stadtverwaltung längst getroffen. Wir brauchen Kompetenz, die diese Stadt nach vorne bringt, die anpackt und Weinstadt noch lebenswerter macht. Wir freuen uns über jede Bewerbung. Und dann können wir gemeinsam all die schönen Projekte in Weinstadt umsetzen.

Oberbürgermeister Scharmann auf der Luitenbächer Höhe