Das Alte Schulhaus
Die Ratsgasse, früher als „Heiligengässle“ bekannt, führt malerisch vom alten Rathaus zum neuen hinunter. Der Name „Heiligengässle“ erinnert an den Heiligenkeller, der einst unter dem Rathaus lag. An der Ratsgasse 2 steht das denkmalgeschützte „Alte Beutelsbacher Schulhaus“. Dieses Gebäude erzählt von einer langen Schultradition, die bis ins späte Mittelalter zurückreicht. Schon um 1400 wird hier ein Schulmeister erwähnt. Ein Schulgebäude, das hier vermutlich stand, wurde 1575 modernisiert: Es erhielt ein zusätzliches Stockwerk, gebaut aus bestem Tannen- und Eichenholz.
Das Haus war zunächst bescheiden: Eine einfache Kammer diente als Unterrichtsraum. Nach Erweiterungen im 16. Jahrhundert konnte die Schule Kinder aus der ganzen Umgebung aufnehmen. Später, um 1750, zog die Schule um, und das Gebäude wurde als Wohnhaus verkauft.
Heute ist die Ratsgasse 2 ein spannendes Beispiel historischer Fachwerkarchitektur. Besonders sehenswert ist der erhaltene Eckständer im Südteil des Hauses, dessen Konstruktion an das Rathaus erinnert. Nach umfangreicher Sanierung 1990 beherbergt das Gebäude Büros und Wohnungen, ohne seinen ursprünglichen Charme zu verlieren.
Die Stiftskirche in Beutelsbach ist ein markantes Wahrzeichen des Ortes, dessen Turm mit 30 Metern Höhe von fast jedem Punkt des Ortes sichtbar ist. Sie wurde von 1476 - 1522 im Auftrag der württembergischen Herrschaft erbaut, die damit ihre frühere Macht und Präsenz in der Region verdeutlichen wollte. Die Kirche war für die damalige Größe des Ortes außergewöhnlich groß. Ein Vorgängerbau, eine romanische Basilika um 1240, stand an derselben Stelle, doch von diesem sind nur noch einige Steine von Rundbogenfriesen an der Fassade wiederverwendet worden. Im Laufe der Geschichte wurde die Stiftskirche bis heute immer wieder renoviert und verschönert.
Das historische Pfarrhaus in der Stiftstraße 27 ist ein markantes Fachwerkgebäude, das im Laufe seiner Geschichte mehrere Nutzungen erfahren hat. Ursprünglich um 1500 erwähnt, wurde es 1613 durch den berühmten Baumeister Heinrich Schickhardt umgebaut und nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Kriegs wiederaufgebaut. Es beeindruckt durch architektonische Details wie das gemauerte Erdgeschoss mit vergitterten Fenstern und das Fachwerkobergeschoss.
Bis 1975 diente es als Wohnsitz für die Pfarrer von Beutelsbach, bevor es modernisiert und für andere Zwecke wie z.B. als Versammlungsraum oder Treffen des Jünglingsvereins (später CVJM) genutzt wurde. Heute beherbergt es Wohnungen sowie eine Arztpraxis.
Die Bedeutung des Pfarrhauses liegt nicht nur in seiner Funktion, sondern auch in seiner Baugeschichte, die eng mit Heinrich Schickhardt verbunden ist. Eine geplante Abrissmaßnahme zur Straßenverbreiterung wurde wegen des historischen Werts des Gebäudes nicht umgesetzt, was es bis heute zu einem attraktiven Beispiel regionaler Baukunst macht.
Das Gebäude in der Marktstraße 55 ist eines der beeindruckendsten Fachwerkhäuser in Beutelsbach. Es wurde 1615 erbaut und 1936 restauriert, wobei die Originaldetails weitgehend erhalten blieben. Charakteristisch ist das unverputzte Fachwerk über einem hohen gemauerten Kellergeschoss, das über eine steile Steintreppe zugänglich ist. Der reich verzierte Giebel zeigt ornamentale Elemente wie Fischblasenmuster, bemalte Holzverzierungen und ein Andreaskreuz. Besonders auffällig ist der bärtige Neidkopf unter dem Taubenschlag, ein typisches dekoratives Element dieser Zeit.
Das Haus diente über die Jahrhunderte verschiedenen wohlhabenden Familien als Wohnsitz und wurde stets gepflegt. Seine Lage und Architektur spiegeln den Wohlstand und die Bedeutung seiner Bewohner wider. Interessant ist auch die schmale Scheune nördlich des Hauses, deren Rückwand wie eine Stadtmauer wirkt und zum historischen Charme beiträgt.
Das „Halmenhaus“ in der Schönbühlstraße 8 ist ein faszinierendes Beispiel historischer Baukunst, das erstmals 1580 errichtet wurde. Ursprünglich traufständig zur Straße gebaut, erhielt es 1660 nach einer Teilung einen hohen Zwerchgiebel, der das Haus um ein Stockwerk überragt. Beide Giebel zeigen kunstvolle Fachwerk-Zierelemente, darunter Andreas-Kreuze und barocke Kerbschnittverzierungen, die farbig gefasst wurden.
Der erste bekannte Besitzer, Martin Halm, war ein wohlhabender Weinhändler mit beachtlichem Vermögen, zu welchem unter anderem der Besitz von 5 Hektar Weinbergen und umfangreichen Weinvorräten gehörte. Der Name „Halmenhaus“ geht auf ihn zurück.
Das Haus ist eng mit der Geschichte Beutelsbachs verwoben und spiegelt die sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen der Region wider.
Das „Pfaffenhaus“ in der Schönbühlstraße 2 ist ein bemerkenswertes Fachwerkgebäude mit einer reichen Geschichte. Ursprünglich um 1603 erbaut, wurde es durch Markus Renninger, dem evangelischen Pfarrer von Beutelsbach (1545–1616), errichtet. Da das damalige Pfarrhaus zu klein war, finanzierte Renninger den Bau dieses repräsentativen Hauses selbst.
Das Gebäude war lange verputzt und wurde in den 1980er-Jahren umfassend renoviert, wobei das Fachwerk auf allen Seiten freigelegt wurde. Es präsentiert sich heute als eingeschossiger Fachwerkbau auf einem hohen Sockel- und Kellergeschoss, giebelständig zur Straße. Historische Details wie ein profiliertes Rundbogentor und kunstvolle Fachwerkelemente machen das Haus zu einem Schmuckstück.
Im Laufe der Jahrhunderte wechselte das Haus mehrfach den Besitzer, darunter wohlhabende Bürger, Beamte und Kaufleute. Heute beherbergt es unter anderem die Jugendmusikschule und Wohnungen.
Das Gebäude Burghaldenstraße 1, auch bekannt als „Ulmer Pfleghof“, ist eines der ältesten Häuser Beutelsbachs und ein besonderes Zeugnis der Ortsgeschichte. Es wurde ursprünglich im 16. Jahrhundert erbaut und 1535 vom Ulmer Spital erworben, das es als Verwaltungssitz für seine Güter nutzte. Das Haus diente als stattlicher Pfleghof, umgeben von Weingärten, und war ein zentraler Ort für den Weinhandel.
Das Fachwerk des Gebäudes, das früher teilweise verputzt war, zeigt heute nach umfangreichen Restaurierungen wieder seine dekorativen Elemente wie geschweifte Andreaskreuze und kunstvoll geschnitzte Knaggen. Im Inneren wurde das Haus modernisiert und an heutige Wohnbedürfnisse angepasst, wobei das historische Fachwerk erhalten blieb.
Die Geschichte des Hauses ist eng mit dem Weinbau und der Verwaltung durch Ulmer Pfleger verknüpft. Trotz seines schlechten Zustands in den 1980er-Jahren wurde es nicht abgerissen, sondern als Denkmal bewahrt und steht heute für die reiche Weinbau- und Verwaltungstradition der Region.
Das Gebäude Marktstraße 4/6, bekannt als „Söflinger Klosterhaus“, ist ein charmantes Fachwerkhaus aus dem frühen 18. Jahrhundert. Ursprünglich als ein einziges Haus errichtet, wirkt es heute wie zwei zusammengebaute Häuser, da die nördliche Haushälfte um 1930 mit einem Zwerchgiebel ergänzt wurde. Die südliche Hälfte wurde durch Anbauten erweitert.
Seine Ursprünge sind mit dem Kloster Söflingen verbunden, das seit dem 13. Jahrhundert Weinberge im Remstal, auch in Beutelsbach, bewirtschaftete. Das Haus diente einst als Verwaltungszentrum für die klösterlichen Ländereien, wobei Weinberge und Einkünfte von Verwaltern betreut wurden. Historische Dokumente belegen, dass das Kloster das Anwesen 1768 verkaufen musste.
Das Fachwerk der nördlichen Haushälfte ist besonders gut erhalten, mit Details wie einem Fenstererker, der auf die Bauzeit um 1700 hinweist. Spannend ist auch der Weinkeller, ein Zeugnis der langen Weinbautradition Beutelsbachs, wenngleich er für die klösterliche Nutzung eher klein war.
Das Beutelsbacher Rathaus, 1534 von Urban Heß erbaut, zählt zu den ältesten Dorfrathäusern in Württemberg. Das zweigeschossige Fachwerkgebäude wurde mehrfach verändert, insbesondere 1577, als es mit dem prägenden architektonischen Merkmal eines Hauptportals mit Wappenrelief versehen wurde. Bei der Sanierung 2013-2014 wurden historische Details wie Renaissancefarbfassungen und Wandgraffiti im Ratssaal restauriert und integriert.
Das Rathaus diente über 430 Jahre als Verwaltungsgebäude und beherbergt heute das "Württemberg-Haus", das aus zwei Museen besteht: Im Erdgeschoss ist das Museum „Bauernkrieg“ untergebracht, während im Obergeschoss das Museum „Wiege Württembergs“ und Wechselausstellungen zu finden sind. Die ehemalige Markt- und Gerichtshalle im Erdgeschoss kann für Veranstaltungen genutzt werden. Unter dem Rathaus befindet sich der sanierte Heiligenkeller, der früher als Lagerraum für Kirchenvermögen diente.
Der Stiftshof in Beutelsbach ist ein historisch bedeutsames Ensemble, dessen Geschichte eng mit dem Weinbau und der Verwaltung des Stifts verbunden ist. Seine Ursprünge reichen bis ins Mittelalter zurück, als Beutelsbach 1080 erstmals erwähnt wurde. Der heutige Stiftshof entstand nach der Zerstörung des ursprünglichen Gebäudes während des Dreißigjährigen Krieges. Beeindruckend ist das Portal mit der Jahreszahl 1686, die auf den Abschluss des Wiederaufbaus unter Herzog Friedrich Carl hinweist.
Die Stiftsscheuer war ein zentraler Ort für den Zehntwein und Naturalabgaben. Hier wurden große Mengen Wein gelagert, der nicht nur vor Ort verwendet, sondern auch an die herzoglichen Keller geliefert wurde. Der Hof war lange wichtiger Bestandteil des Weinhandels und 1940 erster Sitz der Remstalkellerei.
Heute wird der Stiftshof kulturell genutzt: Er beherbergt das Haus der Jugendarbeit, das kommunales Kino und den Jazzclub „Armer Konrad“ sowie die Kunstschule und die Musikschule Unteres Remstal. Der Gewölbekeller steht für Veranstaltungen zur Verfügung und ist ein beliebter Ort für Konzerte und Feiern.
Bei der Rebflurbereinigung auf dem Beutelsbacher Kappelberg in den Jahren 1968/69 stießen Arbeiter auf Mauerreste im Boden, wo zuvor ein Weinberg wuchs. Ein Inschriftenstein deutete auf das Jahr 1252 hin. Der hinzugezogene Archäologe Dr. Gerhard Wein datierte die ältesten Reste sogar aufs 11. Jahrhundert.
Dokumente aus dem Jahr 1083 erwähnen einen „Konrad von Beutelsbach“, der sich nach der neu errichteten „Burg Wirtemberg“ über dem Neckartal umbenannte – und aus den „Herren von Beutelsbach“ wurden somit die „Herren von Wirtemberg“. Damit ist die Burg Kappelberg die erste Stammburg des späteren Königsgeschlechts der Württemberger.
Beim Bauernaufstand des „Armen Konrad“ im Jahr 1514 war die weitgehend verfallene Burg Schauplatz eines großen Feldlagers der Aufständischen. Um 1760/65 wurden die Ruinen schließlich bis auf die Grundmauern abgetragen.
Für die Remstal Gartenschau 2019 wurden die Mauern saniert und um einige Reihen erhöht. Ebenso wurden die Außenanlagen neu angelegt.