Strümpfelbach gilt als eines der schönsten Fachwerkdörfer Deutschlands. Das Alte Rathaus zählt nicht nur aufgrund seiner exponierten Lage im Ortskern zu den prächtigsten Fachwerkhäusern Württembergs.
Die Streitbergkelter – Zeugin der jahrhundertealten Weinbautradition
Am Ostrand von Strümpfelbach, nahe der Weinlage „Streitberg“, steht die beeindruckende Streitbergkelter. Dieses traufständige Fachwerkgebäude mit markantem Walmdach stammt aus dem Jahr 1533 und diente ursprünglich der Weinproduktion. Im Jahr 1559 wurde die Kelter um zwei Kelterbäume erweitert, bevor sie 1987 umfassend saniert und 2003 modernisiert wurde.
Heute dient die Streitbergkelter als Veranstaltungsort und erinnert als letzte erhaltene historische Kelter des Ortes an die lange Tradition des Weinbaus in Strümpfelbach. Dank ihres hohen Alters (sie ist die älteste datierte Kelter im Rems-Murr-Kreis!) und ihrer besonderen Bauweise ist sie ein wertvolles historisches Zeugnis.
Das Alte Rathaus Strümpfelbach – Stolzes Zeugnis der Dorfgeschichte
Mitten im historischen Ortskern von Strümpfelbach erhebt sich das Alte Rathaus, ein beeindruckendes Fachwerkgebäude aus dem Jahr 1591. Dieses reich verzierte, freistehende Bauwerk diente über Jahrhunderte hinweg als weltlicher und funktionaler Mittelpunkt des Dorfes. Auf einem massiven Sandsteinsockel errichtet, steht das Rathaus über den beiden verdolten Ortsbächen und beeindruckt mit seinem hohen Satteldach, dem jüngeren Dachreiter und der offenen Laube an der Hauptgiebelseite.
Besonders auffällig ist das aufwendig verzierte Fachwerk mit kunstvollen Flachschnitzereien, das den Stolz und das handwerkliche Können der damaligen Bewohner widerspiegelt. Der dreigeschossige Giebel mit seinen kleinen Fensteröffnungen, Läden und Vorstößen verleiht dem Gebäude seinen charakteristischen Charme.
Ursprünglich befand sich hier, am Zusammenfluss der beiden Ortsbäche, vermutlich auch eine Mühle. Der Straßenname "Mühlgäßlein", der 1643 bestand, lässt darauf schließen, dass dieser zentrale Platz bereits in spätmittelalterlicher Zeit eine wichtige Rolle spielte.
Besonders stattliches Fachwerkhaus mit original erhaltenem Giebel. Eines der letzten Häuser der Hauptbauphase bis zum 30-jährigen Krieg, als Gaststätte auch von ortsgeschichtlicher Bedeutung.
Hauptstraße 4 – Das älteste datierte Haus in Strümpfelbach
Das Haus Hauptstraße 4 ist ein ganz besonderes Stück Strümpfelbacher Geschichte. Mit seinem Kernbau aus dem Jahr 1451 ist es nicht nur das älteste datierte Fachwerkhaus des Ortes, sondern auch das zweitälteste im gesamten Kreis. Es entstand unmittelbar nach der Zerstörung Strümpfelbachs im Städtekrieg im Jahr 1449 und ist damit ein wertvolles Zeugnis für den Wiederaufbau der Gemeinde.
Das schmale, hohe Weingärtnerhaus steht gegenüber dem Alten Rathaus auf einem abfallenden Gelände. Sein massiver, unverputzter Kellerstock trägt ein zweigeschossiges Fachwerkhaus mit Satteldach. Während die Gefache des ersten Obergeschosses im 18. Jahrhundert für größere Fenster verändert wurden, sind die des zweiten Obergeschosses noch original aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erhalten. Ein überdeckter Treppenanbau aus dem 19. Jahrhundert ergänzt das historische Erscheinungsbild.
Im Laufe der Zeit wurde das Gebäude mehrfach renoviert: 1969 erfolgte eine erste Instandsetzung des Abbruchkandidaten für Museumszwecke, nach Verkauf an privat dann 2011 - 2013 eine umfassende Sanierung mit Dachausbau und befundgetreuem Neuanstrich des Fachwerks. Die historischen Nebengebäude sind heute leider nicht mehr vorhanden.
Dieses beeindruckende Gebäude ist ein wichtiges Zeugnis für die Ortsbaugeschichte und dokumentiert aufgrund seiner kompakten Bauweise den hohen Baudruck jener Zeit.
Hauptstraße 6 – Fachwerkcharme mit Geschichte
An der markanten Ecke zur Friedhofstraße steht das beeindruckende Fachwerkgebäude Hauptstraße 6, das um 1600 errichtet wurde. Dieses zweigeschossige Haus mit Satteldach gehört zu den ältesten Weinbauernhäusern des Ortes und ist ein wertvolles Zeugnis der Ortsbaugeschichte vor dem Dreißigjährigen Krieg. Der massive Kellerstock ist bis auf die Eckquader verputzt, darüber erhebt sich ein repräsentativer Fachwerkbau mit kunstvollem Zierfachwerk.
Im Laufe der Jahrhunderte erlebte das Haus mehrere Umbauten: In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde im Kellerstock ein Laden eingerichtet, 1997/98 erfolgte eine umfassende Dachrenovierung samt Gaubenausbau. Eine Gedenktafel an der Fassade erinnert an den Bau der Wasserleitung im Jahr 1893.
Die exponierte Lage gegenüber dem Alten Rathaus verdeutlicht den einst hohen Repräsentationsanspruch des Bauherrn. Das Haus ist außerdem als ehemaliges Wohnhaus der Ortschronistin und Museumsgründerin Sophie Weishaar von ortsgeschichtlicher Bedeutung.
Das Haus fällt durch seine ungewöhnliche Ecklösung mit angeschrägtem Konsolprofil auf, außerdem reiche Flachschnitzereien.
Der Giebel besticht durch sein auffallendes Zierfachwerk mit genasten Zierstreben, im 2. Dachgeschoss friesartig zusammengefasst.
Hofanlage Hauptstraße 30–36 – Einzigartige Weinbaugeschichte im Herzen Strümpfelbachs
Die beeindruckende Hofanlage Hauptstraße 30–36 ist ein einmaliges Ensemble in Strümpfelbach. Diese Gruppe von Weingärtnerhäusern und Wirtschaftsgebäuden stammt aus dem 16. bis 18. Jahrhundert und stellt in Größe und Geschlossenheit ein seltenes Zeugnis der lokalen Weinbaukultur dar.
Das älteste Gebäude der Anlage, Hauptstraße 30, wurde 1559 errichtet. Es beeindruckt mit seinem Zierfachwerk und sitzt auf einem massiven Kellerstock. Direkt daran angebaut ist eine Stallscheune aus dem 18./19. Jahrhundert. Das Haus Hauptstraße 32 ist ein zweigeschossiger Fachwerkbau mit hohem Satteldach aus dem 18. Jahrhundert. Dahinter liegt Hauptstraße 34, dessen Kern aus dem 15. bis frühen 16. Jahrhundert stammt. Hier sind noch Überblattungen des alten Fachwerks sichtbar.
Ein weiteres Highlight der Hofanlage ist die Mitteltennenscheune Hauptstraße 36. Ihr massives Erdgeschoss mit ehemaligem Stallbereich trägt einen Fachwerkaufbau aus dem 18. Jahrhundert. Die Scheune Hauptstraße 36/3 zeigt mit ihren V-förmig angeordneten Streben eindrucksvoll die Baukunst des 16. Jahrhunderts. Das ehemalige Pferdestallgebäude Hauptstraße 36/4 rundet mit seinem Fachwerkaufbau aus dem 16./17. Jahrhundert das Ensemble ab.
Umfassend saniert wurde die gesamte Anlage um 2001, wodurch ihr einzigartiger Charakter erhalten blieb. Diese Hofanlage spiegelt nicht nur die Geschichte des Weinbaus wider, sondern dokumentiert auch den hohen Baudruck und die Nutzung der begrenzten Flächen in früheren Zeiten
Durch den späteren, einseitigen Anbau besonders markantes Haus. Giebel mit Zierfachwerk und ungewöhnlich starken Auskragungen.
Stattlicher Vertreter der zweiten Hauptbauphase im 18. Jh. mit dem typischen, schlichten Fachwerk der Zeit.
Repräsentatives Haus mit charakteristischem, auch in den Vollgeschossen recht gut erhaltenem Fachwerk.
Besonders reiches und engmaschiges Zierfachwerk im Giebel des Wohnhauses, das zusammen mit den parallelen Scheunen ein wertvolles Ensemble des 16. Jahrhunderts bildet.
Hauptstraße 49 – Vom mittelalterlichen Kern zum barocken Forsthaus
Das stattliche Gebäude Hauptstraße 49 ist ein bauliches Unikat in Strümpfelbach. Ursprünglich stammt es aus dem Mittelalter, wurde jedoch 1746 vom herzoglichen Forstknecht Johann Adam Marz zu einem barocken Forsthaus umgebaut. Mit seiner repräsentativen Freitreppe, dem verzierten Portal mit Oberlicht und dem markanten Walmdach hebt es sich von den typischen Weingärtnerhäusern der Region ab.
Der massive Gewölbekeller ist teilweise noch älter als das Fachwerk im Erdgeschoss, das auf etwa 1600 datiert wird. Die umfassende Umgestaltung 1746 verlieh dem Gebäude sein heutiges, barockes Erscheinungsbild. Eine Sanierung in den Jahren 1993/94 umfasste die Erneuerung der Fenster und des Daches. Zum Ensemble gehört eine rückwärtige Scheune aus dem 18./19. Jahrhundert, die das historische Bild ergänzt.
Dieses außergewöhnliche Gebäude ist ein wertvolles Zeugnis der Ortsgeschichte und der einstigen Bedeutung des Forstwesens in Strümpfelbach.
Hauptstraße 65 – Kunstvolles Weingärtnerhaus des 16. Jahrhunderts
Das Gebäude Hauptstraße 65 ist ein herausragendes Beispiel für den Fachwerkbau des späten 16. Jahrhunderts und zeugt vom gehobenen sozialen Status seines Erbauers. Das zweigeschossige Giebelhaus kombiniert massives Mauerwerk und reich verziertes Fachwerk. Besonders beeindruckend sind die Andreaskreuze, ornamentalen Fensterbögen und kunstvollen Holzschnitzereien mit Wirbelmotiven, Rosetten und einem markanten Kopf in der Giebelspitze. Diese kunstvolle Verarbeitung deutet auf denselben Meister hin, der auch das Alte Rathaus gestaltet hat.
Das Gebäude wurde 1587 errichtet, verfügt über einen großen Gewölbekeller und wurde zwischen 1990 und 1994 umfassend saniert. Zum Anwesen gehört eine Stall-Scheune aus dem 18. Jahrhundert, die das historische Bild der Hofanlage ergänzt. Das Fachwerk dieser Scheune zeigt kielbogig ausgesägte Schwellen und Geschossvorstöße, was auf eine sorgfältige und anspruchsvolle Bauweise hinweist.
Diese Hofanlage ist nicht nur ein wertvolles Dokument der lokalen Baugeschichte, sondern vermittelt auch eindrucksvoll die Bedeutung des Weinbaus und den Wohlstand, den er nach Strümpfelbach brachte.
Reiches Zierfachwerk im Giebel mit kurioser Asymmetrie.
Hindenburgstraße 20 – Das Schuhmacherhaus von 1762
Das kleine, einfache Fachwerkhaus in der Hindenburgstraße 20 ist ein seltenes Beispiel für ein Handwerkerhaus in Strümpfelbach. Erbaut im Jahr 1762, zeigt das Haus auf einem Schlussstein seines Rundbogenportals ein Hauszeichen in Form eines Damenschuhs und eines Stulpenstiefels, das auf die ehemalige Nutzung als Schuhmacherwerkstatt hinweist. Diese sozialgeschichtliche Besonderheit hebt das Gebäude von den überwiegend landwirtschaftlich geprägten Weingärtnerhäusern des Ortes ab.
Das zweigeschossige, giebelständige Haus steht leicht vorspringend vor dem benachbarten Gebäude und kombiniert ein massives Erdgeschoss mit einem Fachwerkaufsatz aus dem 18. Jahrhundert. Die verputzte Fassade mit sichtbarer Eckquaderung und kleinem Ladenfenster unterstreicht den handwerklichen Charakter des Hauses.
Dieses bescheidene, aber markante Gebäude ist ein bedeutendes Zeugnis der Handwerksgeschichte Strümpfelbachs und vermittelt einen Einblick in das Leben der Dorfbewohner abseits des Weinbaus.
Besonders schönes und gut erhaltenes Beispiel für ein eher schlichtes, aber dennoch stattliches Fachwerkhaus des 16. Jahrhunderts.